Vom Musekuss zum Meisterwerk … oder so ähnlich

Von der Idee zum Bild
Von der Idee zum Bild

Wie machst du eigentlich deine Bilder? Da mir diese Frage oft gestellt wird, möchte ich hier einen Einblick in meinen generellen Arbeitsablauf zeigen. Natürlich ist dieser nicht immer gleich. Es gibt jedoch einen „roten Faden“, der bei den meisten Werken erkennbar ist. Obwohl Einzelheiten variieren, manche Schritte ausgelassen werden und dafür andere hinzugefügt werden, bleibt aber die Vorgehensweise im Groben die gleiche. Im Folgenden gibt es einen Einblick in meinen Workflow.

Alles beginnt mit der zündenden Idee. Doch wo und wie kann man von der allseits bekannten Muse geküsst werden? In einer ruhigen Stunde schaue ich vorzugsweise bei anderen Künstlern auf deren Homepages oder auf Internetseiten wie Facebook, deviantART oder 500px. Die Favoriten werden in einem gesonderten Ordner gesammelt, welcher mit inzwischen mehr als 3000 Bildern als meine persönliche Inspirationsquelle dient. Dabei geht es nicht darum Werke zu kopieren, sondern Anregungen zu finden, Eindrücke zu sammeln oder Elemente zu kombinieren. Irgendwann habe ich endlich eine grobe Vorstellung und es geht voller Elan auf die Suche – bisher ausschließlich in der Model-Kartei – nach einem passenden Model.

Ausgangsbild und Bildaufbau
Ausgangsbild und Bildaufbau

Allein dieser Teil wäre mal ein eigener Eintrag wert. Im Studio entsteht das Ausgangsbild (Bild 1), sowohl in der Grundidee als auch in unterschiedlichen Varianten. Die Lichtsetzung muss hier schon auf die Zielvorstellung abgestimmt werden. Ist das Bild schließlich im Kasten … ähm … auf der Speicherkarte, geht es am heimischen Rechner an die RAW-Entwicklung. Im RAW-Converter beschäftige ich mich nur mit der Farbtemperatur, der Belichtung und der Objektivkorrektur. Die voreingestellte Schärfe wird fast komplett zurück genommen und dann das Bild in Photoshop geöffnet.

Im Bildbearbeitungsprogamm wird zuerst die Position des Motives innerhalb der Komposition festgelegt. Der Goldene Schnitt in all seinen Varianten spielt beim Bildaufbau bzw. -schnitt bei mir eine wichtige Rolle. Bevor es dann zur Hautretusche geht, wird eine exakte Maske erstellt. Danach wird der Hintergrund angepasst und bereinigt (Bild 2). Im nächsten Schritt lege ich den Hintergrund an. Dazu legt man einen Ordner im Modus „Weiches Licht“ oder „Ineinanderkopieren“ an, fügt die zuvor erstellte Maske hinzu und positioniert die weitern notwendigen Bilder. Aber woher bekommt man Fotos für Montagen? Mein Tipp: Selbst fotografieren! Wichtig beim Aufbau des Hintergrundes ist, dass sich der Horizont und die Perspektive stimmig einfügen (Bild 3).

Perspektive und Montage
Perspektive und Montage

Im weiteren Verlauf geht es darum, das Motiv und Hintergrund stärker miteinander verschmelzen zu lassen. So werden Lichter gesetzt, Helligkeiten korrigiert und Kontraste angeglichen, um eine einheitliche globale Lichtstimmung zu erzeugen. Durch die Überlagerungsmethode, bei der ich auf grauem Hintergrundpapier fotografiere und den Hintergrund darauf verrechnen lasse, kann ich zwar die Lichter und Schatten gut übernehmen, aber die Kontraste des Hintergrundes werden dadurch flau und müssen deshalb nachträglich verstärkt werden (Bild 4).

Licht- und Farbstimmung
Licht- und Farbstimmung

Nachdem die Lichter gesetzt sind, wende ich mich der Farbstimmung zu. Hier beginne ich das Bild zu entsättigen und ganzheitlich einzufärben. Dabei besteht die Kunst darin, die richtige Relation zwischen (Ent)Sättigungsgrad und Farbintensivität zu treffen. In dem Beispiel habe ich mich für eine kühle, leicht düstere Stimmung entschieden (Bild 5). Hierbei ist zu beachten, dass die gewählte Farbstimmung nicht rein willkürlich gewählt wird sondern zum Bildinhalt passt. Nicht selten müssen in diesem Arbeitsschritt einzelne Bildelemente stärker als andere eingefärbt werden, um ein stimmigen Gesamtbild zu bekommen. Abschließend kommt es zur kreativen Farbgebung (Bild 6). Keineswegs soll nun das gesamte Farbbild auf den Kopf gestellt werden. Vielmehr geht es darum, durch sinnvolle Veränderungen die Bildwirkung bzw. -aussage zu unterstreichen.

Zum Schluss füge ich meist mein Logo ein und schärfe das Bild je nach Ausgangsformat. Abgespeichert und archiviert wird die Datei allerdings ungeschärft im PSD-Format.
Das Beispielbild in höherer Auflösung gibt es in meiner Galerie oder in verschiedenen Communities, beispielsweise hier. Wer sich mit dem Workflow intensiver auseinandersetzen will, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

LG Andreas