Stuttgart: Die Porsche-Arena im Bann von Alice Cooper und Band

Am 18.09.2019 hat Alice Cooper die Porsche-Arena einen Abend lang in sein selbst ernanntes “Nightmare Castle” verwandelt. Der Schockrocker feiert auf seiner “Ol’ Black Eyes is Back-Tour 2019” ein 50-jähriges Musikerjubiläum. Trotz seiner 71 Jahren und zahloser Bühnengänge zur Fallschwertmaschine hat sich der Musiker und Entertainer mit seiner Bandin Stuttgart erfischend lebendig und zur Freude der zahlreich angereisten Fans mit neuem Material präsentiert. Als Support hat er Black Stone Cherry im Gepäck, die ihn während der Tournee im Vorprogramm begleiten.

Die US-amerikanische Southern Rock-Band legt auch pünktlich mit ordentlich Power los. Wild wirbelt der junge Gitarrist über die große Bühne, nimmer müde die Seite mehrmals zu wechseln. Kein Stück weniger unbändig drischt der Schlagzeuger auf seinem Instrument ein. Derweil röhrt der Frontmann mit seiner angenehm rauchigen Stimme – vielleicht gab ihm die gleichnamige Zigarettenmarke diese Stimme – zu Songs wie “Blame It On The Boom Boom”. Beim Publikum zündet die Southern-Rockband nicht sofort, doch spätestens nach dem dritten ist Stimmung in der Porsche-Arena. Das Sextett rockt mit eingehenden Riffs und dynamischen Melodien. Black Stone Cherry gehen ins Blut wie ein guter, alter Whisky: kräftig, rauchig und rau – ohne dabei mit ganz harten Riffs zu überziehen – stattdessen veredelt durch den groovenden Beigeschmack der Hammondorgel. Die Combo aus Edmonton (Kentucky) präsentiert sich professionell und als willkommener Support für den Headliner. Die Arena honoriert den letztendlich mitreißenden Gig mit lautem Beifall, so dass die Band mit Gewissheit das Podium verlassen kann, nicht nur ihre Fans wieder überzeugt zu haben sondern auch den ein oder anderen neuen Fan gewonnen zu haben.

“Feed My Frankenstein”, “No More Mr. Nice Guy” und “Bed Of Nails” nehmen dann gleich die fast komplett gefüllte Porsche-Arena mit auf eine musikalische Geisterbahnfahrt. Der erfahrene Schockrocker stolziert zu Beginn mit gewohnter Maskerade in Zylinder und mit schwingendem Stock aus dem Nebel des alten Burgtors auf das Podium. Das Bühnenbild zeigt sein Nightmare Castle, eine alte Burg mit diversen Horrorutensilien. Ein böser Kinderkopf im Turmfenster, angekettete Skelette an der Burgmauer und diverse Totenköpfe zieren das alte Gemäuer, das von Fackeln spärlich beleuchtet wird. Die Horrorkulisse ist in rotes Licht getaucht, aus dem die Akteure immer wieder gekonnt ins Spotlight gestellt werden. Um Alice Cooper herum bewegen sich die Musiker, allen voran Nita Strauss, die mit ihrer Gitarre unermüdlich wie ein Wirbelwind von links nach rechts fegt. Bassist Chuck Garric oder “the Beast”, wie ihn der Frontmann liebevoll nennt, und die beiden Gitarristen Ryan Roxie sowie Tommy Henriksen erscheinen hin und wieder als Formation am vorderen Bühnenrand, um gemeinsam zu posieren. Währenddessen hämmert im Hintergrund Glen Sobel auf seinen Drums.

“Your cruel device, your blood like ice, one look could kill, my pain, your thrill“ – der Beginn, den wohl alle erwartet haben und auch heute nicht enttäuscht werden. “Poison” ist nach wie vor der Hit, bei dem Jung sowie Alt textsicher und aus vollem Hals ausgelassen abfeiern. So auch heute in der Porsche-Arena. Zwischendurch zeigt auch die hübsche Nita, dass sie zu Recht zu den besten Gitarristen der Welt gewählt wurde. Die flinken Finger huschen schnell aber stets sicher über ihr Griffbrett, was zu erstaunlichen Solis führt und die Rockfans begeistert. Doch auch die übrigen Musiker zeigen mit gekonnten Einzeleinlagen ihre Professionalität. Schlagzeuger Glen bearbeitet zunächst minutenlang auf spektakuläre Weise sein Drumset, bevor im nahtlosen Übergang die Saitenspieler einzeln übernehmen.

Der Fokus gehört stets Alice Cooper. Mit immer wieder wechselnder Garderobe erscheint er mal mit Degen, um vor den Nasen der ersten Reihen zu wedeln, oder später mit Dolch bewaffnet, mit dem er eine Braut hinter den Zinnen auf der Burgmauer in seinen Armen theatralisch dahinscheiden lässt. Nita tritt aus einem an der Wand lehnenden Sarg während Cooper in Zwangsjacke aus dem Nebel schreitet. “Billion Dollar Babies” oder “Steven” setzen das berühmte Gruselspektakel fort. Natürlich darf die traditionelle Guillotine-Szene nicht fehlen. Nachdem der 71-jährige von der psychopatischen Krankenschwester, die von seiner Tochter Calico verkörpert wird, scheinbar ein Kopf kürzer gemacht wurde, geht es quick lebendig mit “Escape” weiter. Immer wieder spielen Kostüme im Kirmes-Geisterbahn-Stil mit und unterstreichen die Inhalte. Die Halle tobt und feiert die energiegeladene Performance aller Künstler. “Under My Wheels” läutet schließlich die Zugabe ein. Diese findet mit “Schools Out”, welches zwischendurch in Pink Floyds “Another Brick In The Wall” übergeht, ein im Konfettiregen endendes grandioses Finale, welches im frenetischen Applaus würdig ausklingt.

Der Schockrocker ist gut aufgelegt und bestens bei Stimme. So sind heute Abend sind alle über 100 Minuten lang im Bann des alten Bösewichts. Trotz aller (aber immer noch sehenswerter) Klischees weiß Alice Cooper auch in seinem fortgeschrittenen Alter mit mitreißender Bühnenshow zu begeistern und liefert ein erstklassiges Rockkonzert ab.